AWD erneut in Haftungsfalle? Verlust von 97 % für Rentnerin International Media

16.01.2002 | Bremen
Der Allgemeiner Wirtschaftsdienst Gesellschaft für Wirtschaftsberatung und Finanzbetreuung mbH (AWD) aus Hannover hat über seine Handelsvertreter an Anleger risikoreiche Film-Beteiligungen an der IMF Internationale Medien und Film GmbH & Co. Produktions KG (IMF) vertrieben.

Ursprünglich als Treuhand-Kommanditbeteiligung aufgelegt wurde im Mai 2000 der Börsengang als Neuer Markt-Unternehmen angetreten. Im Mai 2000 stand die Internationalmedia AG bei 32,00 € und im Herbst 2000 sogar über 50,00 €. Derzeit wird die Aktie bei 1,04 € gehandelt und die Anleger haben Verluste von bis zu 97 % ihres Anlagekapitals zu beklagen.

24-Monats-Chart (Quelle www.consors.de)

24-Monats-Chart (Quelle: www.consors.de)

Die Bremer Rentnerin Gerda G. hat auf Empfehlung des AWD 126.000,00 DM in zwei Filmbeteiligungen bei der IMF angelegt. Diesen Betrag wollte sie sicher und zur Altersvorsorge anlegen. Der AWD-Mitarbeiter betonte die neutrale und objektive Beratung durch den AWD als angeblich unabhängigen Finanzdienstleister. Die Anlageprodukte seien sorgfältig ausgewählt und vom AWD einer intensiven Prüfung unterzogen worden. Mittlerweile sind ihre Aktien noch 2.000,00 € wert.

Mittels geschönter Ad hoc-Mitteilungen wurde der Kurs der Aktie nach oben getrieben. Noch im März 2002 teilte das Unternehmen im Rahmen einer Pflichtmitteilung mit, dass es für das laufende Geschäftsjahr 2002 mit deutlich positivem Ergebnissen rechne. Im April 2002 bekräftigte der Vorstand, dass für das Jahr 2002 eine Umsatzverdoppelung und ein zweistelliger Gewinn geplant sei. Diese Prognosen wurden im Mai und August 2002 nochmals bestätigt. Nur drei Wochen später wurde eine Umsatzwarnung für das laufende Geschäftsjahr ausgesprochen und die Umsatzprognose für 2002 um ca. 20 % zurückgenommen. Im November 2002 sprach die IM AG eine erneute Umsatz- und Gewinnwarnung aus, nach der die Umsatzprognose um weitere 10 % zurückgenommen und zugleich ein operativer Verlust für das Gesamtjahr nicht mehr ausgeschlossen wurde. Der Vorstand muss sich fragen lassen, ob sich die Geschäftsaussichten des Unternehmens binnen drei Monaten tatsächlich derart stark und überraschend verschlechtert haben. Die IM-Aktie wurde jedenfalls gnadenlos abgestraft und fiel sogar unter 1,00 €.

Nach einer Ad hoc-Mitteilung vom 18.11.2002 will die IM AG ein umfangreiches Kostensenkungsprogramm durchführen. Die Kosten sollen um 11,1 Mio. € und die Mitarbeiteranzahl konzernweit um 30 % reduziert werden. Durch zurückgefallene Ausgaben für Produzentenallianzen sollen weitere 17,6 Mio. € p.a. eingespart werden.

Der Bremer Anwalt Peter Hahn prüft derzeit für mehrere Mandanten, ob sich die Vorstände der IM AG und die Anlageberater (AWD u.a.) schadensersatzpflichtig gemacht haben und Ansprüche erfolgversprechend durchgesetzt werden können.

Quelle: Pressemeldung Hahn Rechtsanwälte Partnerschaft

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