Deutsche Rentenversicherung ignoriert Expertenrat

20.01.2010 | Berlin
Die Deutsche Rentenversicherung (DRV) weiß es seit Jahren: Ohne eine Anpassung der Gehälter ihrer Ärzte an den Marktstandard wird die Ärzteflucht zunehmen. Die Einrichtungen der DRV drohen auszubluten, wenn nicht zügig gehandelt wird, sagt die Beratungsgesellschaft GEBERA.

Das Gutachten der Experten zur Situation der Rehabilitationseinrichtungen in Deutschland dürfte der DRV bekannt sein - Auftraggeber sind die in der Arbeitsgemeinschaft Medizinische Rehabilitation zusammengeschlossenen Spitzenverbände der Leistungserbringer in der medizinischen Rehabilitation.

In ihrem aktuellen Gutachten vom Oktober 2009 schreiben die Experten von GEBERA: "In dem immer weiter zunehmenden Wettbewerb um qualifiziertes Personal sind für das Jahr 2010 Anpassungen dringend notwendig. Ein aktuelles Beispiel für eine solche wettbewerbsgetriebene Personalkostenanpassung bietet die Universitätsklinik Charité, die für das Jahr 2010 eine Erhöhung der Gehälter im Ärztlichen Dienst von 11% vereinbart hat." Weiter heißt es unmissverständlich: "Angesichts der vielerorts bestehenden Personalengpässe (z.B. Ärztemangel) ist für die Sicherung der Konkurrenzfähigkeit der medizinischen Rehabilitation eine entsprechende Anhebung der Vergütungssätze im Jahr 2010 zu fordern. Die Anhebung sollte dabei die fehlende Berücksichtigung der letzten Jahre im Durchschnitt kompensieren." Das ist eine klare Empfehlung an die Träger der Rehabilitationseinrichtungen, die ärztlichen Gehälter dem Marktstandard anzupassen. Derzeit ist dies der Tarifvertrag Ärzte/VKA, den der Marburger Bund mit der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände abgeschlossen hat - und über den seit 18. Januar im Rahmen der Tarifrunde 2010 erneut verhandelt wird.

Schon 2007 warnten die Experten von GEBERA davor, dass eine untertarifliche Vergütung zu Personalabgängen oder sogar Personalnotstand in den Reha-Einrichtungen führen könne, vor allem bei qualifiziertem Personal. "Eine derartige Entwicklung würde sich qualitätsmindernd, teilweise auch existenzbedrohend auf Rehabilitationskliniken auswirken und kann nicht im gesamtgesellschaftlichen Interesse sein. Der Erfolg einer Rehabilitationsmaßnahme hängt im großen Maße von der Qualifikation und Motivation der mitwirkenden Mitarbeiter im medizinischen, therapeutischen und pflegerischen Bereich ab", so die Gutachter.

Der zunehmende Ärztemangel trifft die Reha-Einrichtungen der Deutschen Rentenversicherung schon jetzt massiv. Daher raten die Fachleute von GEBERA den Arbeitgebern, das Gehaltsgefüge des ärztlichen Personals an die Tarifabschlüsse des Marburger Bundes anzupassen: "Den Kampf um qualifiziertes Personal gewinnen diejenigen Einrichtungen, die eine wettbewerbsfähige Vergütung anbieten können. Beim ärztlichen Personal sind die Tarifabschlüsse mit dem Marburger Bund richtungweisend für künftige Gehaltssteigerungen."

Quelle: Pressemeldung Marburger Bund Verband der angestellten und beamteten Ärztinnen und Ärzte Deutschlands e.V.

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