Jetzt kommt es auf die Alten an
Der demografische Wandel hat den Arbeitsmarkt erreicht. Eine aktuelle Untersuchung der Allianz zeigt, dass es 2010 zum ersten Mal in der EU deutlich weniger potentielle Berufseinsteiger als Ruheständler geben wird. In der EU leben gegenwärtig rund 28,6 Millionen Jugendliche im Alter zwischen 15 und 20 Jahren. 28,8 Millionen Einwohner sind hingegen zwischen 60 und 65 Jahre alt. Damit ist rein rechnerisch im Jahre 2010 die Anzahl der Personen, die ins Rentenalter kommen um ca. 200.000 höher, als die der Schulabgänger. "Mit dem Übergang der geburtenstarken Jahrgänge in den Ruhestand wird die Nachwuchslücke in den kommenden Jahren kontinuierlich größer werden und bis zum Jahr 2030 sogar auf 8,3 Million anwachsen", erklärt Prof. Michael Heise, Chefvolkswirt und Leiter Unternehmensentwicklung der Allianz.
Nicht nur ein EU-Phänomen
Eine ähnliche Entwicklung wie in der EU lässt sich auch für die G20-Staaten Russland, Kanada, Südkorea und China vorhersagen. In Japan ist die Lage schon jetzt dramatischer als in der EU. Dort stehen heute 6 Millionen Schulabgänger 10 Millionen 60- bis 64-Jährigen gegenüber. In den USA hingegen nimmt die Zahl der Personen im erwerbsfähigen Alter weiterhin zu. Die Gründe dafür sind zum einen die Attraktivität als Einwanderungsland und zum anderen der Anstieg der Geburtenrate.
Politischer Handlungsbedarf
Allein aufgrund des Rückgang der Zahl der Personen im erwerbsfähigen Alter löst sich jedoch nicht von selbst das Problem der Arbeitslosigkeit in der EU. "Bereits heute ist ein Großteil der Arbeitslosigkeit struktureller Natur, das Ausbildungsprofil vieler Arbeitssuchender entspricht also nicht den Anforderungen des Arbeitsmarktes", so Heise. Jedoch führt die demografische Entwicklung auch nicht automatisch zu einem Nachlassen der Wirtschaftsdynamik und damit zur weiteren Marginalisierung Europas gegenüber "Chinamerica". Allerdings ist hierfür eine Anpassung der Arbeitsbedingungen an die Bedürfnisse einer älter werdenden Erwerbsbevölkerung notwendig.
Erhöhung der Erwerbsbeteiligung älterer Arbeitnehmer
Gegenwärtig sind in der Europäischen Union im Durchschnitt nur rund ein Drittel aller Personen im Alter zwischen 60 und 64 Jahren erwerbstätig. Zwischen den einzelnen Ländern gibt es erhebliche Unterschiede: Am unteren Ende der Skala befindet sich Ungarn mit einer Erwerbsquote der 60- bis 64-Jährigen von nur 13,3 Prozent, während Schweden mit einer Erwerbsquote von 63 Prozent in dieser Altersgruppe eine Vorreiterrolle einnimmt. Schlösse der Rest Europas zu Schweden auf, stünden im Jahre 2030 über 8 Millionen zusätzliche Arbeitskräfte bereit.
Die Erhöhung der Erwerbsbeteiligung der älteren Arbeitnehmer ist somit die arbeits-marktpolitische Herausforderung für die Zukunft. "Wichtige Weichen wurden in den letzten Jahren mit der Reduzierung der Anreize zur Frühverrentung mit den Rentensystemreformen in vielen EU-Ländern bereits gestellt. Nun müssen die entsprechenden Voraussetzungen auf dem Arbeitsmarkt geschaffen werden. Gelingt das erfolgreich, kann die Europäische Union angesichts einer weltweit alternden Bevölkerung als Rollenmodell dienen", sagte Heise.
Diese Aussagen stehen, wie immer, unter unserem Vorbehalt bei Zukunftsaussagen, der Ihnen oben rechts zur Verfügung gestellt wird.
Quelle: Pressemeldung Allianz Group
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