B_PROUD-Studie zeigt Vorteile mobiler Schlaganfalldiagnostik für geeignete Patienten in Berlin

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Mobile Schlaganfalleinheiten sollen die Entscheidenden Schritte der Akutdiagnostik bereits vor dem Eintreffen in der Klinik ermöglichen. In Berlin verglich die B_PROUD-Studie solche Fahrzeuge mit dem üblichen Rettungsdienst. Die mit CT ausgestatteten Einheiten erleichterten die Unterscheidung zwischen Hirnblutung und Gefäßverschluss und verkürzten den Beginn einer möglichen Lyse-Therapie. Bei geeigneten Patienten waren die funktionellen Ergebnisse nach drei Monaten günstiger. Für weiterführende Eingriffe, Überwachung und Rehabilitation bleibt die stationäre Schlaganfallversorgung erforderlich.

STEMO unterscheidet Gefäßverschluss und Hirnblutung bereits am Einsatzort sicher

Bei einem akuten Schlaganfallverdacht übernimmt das STEMO diagnostische Aufgaben, die sonst erst im Krankenhaus erfolgen. Das Spezialfahrzeug ist mit CT-Technik ausgestattet, um Blutungen im Gehirn sicher von ischämischen Ereignissen abzugrenzen. Ergänzend stehen Labordiagnostik und eine telemedizinische Anbindung bereit. Der Neurologe und die Rettungsdienstbesatzung bewerten Symptome, Bilddaten und Messwerte unmittelbar vor Ort. Auf dieser Grundlage kann der Patient zielgerichtet behandelt und einer geeigneten Klinik zugewiesen werden. Wertvolle Zeit bleibt dadurch erhalten.

Thrombolyse löst Gerinnsel, bleibt bei Hirnblutung jedoch grundsätzlich gefährlich

Die Thrombolyse ist eine medikamentöse Akutbehandlung, die bei bestimmten ischämischen Schlaganfällen eingesetzt werden kann. Sie zielt darauf ab, ein Gefäß verschließendes Gerinnsel im Gehirn aufzulösen. Vor der Gabe muss zuverlässig geklärt sein, dass keine Blutung die Symptome verursacht. Eine Lyse bei Hirnblutung kann schwerwiegende Folgen haben. Das im STEMO verfügbare CT liefert rasch die notwendige Befundlage und erlaubt eine Therapieentscheidung durch den Arzt bereits präklinisch am jeweiligen Einsatzort unmittelbar dort.

Audebert und Ebinger werteten Notfalldaten von 1543 Patienten aus

Grundlage der Analyse waren Daten von 1.543 Menschen mit akutem ischämischem Schlaganfall im Berliner Rettungsgebiet. Das Forschungsteam um Heinrich Audebert und Martin Ebinger bezog Ereignisse von Februar 2017 bis Mai 2019 ein. Für 749 Patienten war zusätzlich zum Standardrettungsdienst ein STEMO verfügbar und alarmiert worden. Eine Vergleichsgruppe von 794 Patienten durchlief die reguläre Rettungskette. Nach der Erstversorgung erfolgte deren Transport in ein spezialisiertes Krankenhaus zur weiterführenden Schlaganfallversorgung gemäß regionalen Versorgungsabläufen.

Frühere Behandlung im STEMO kann Hirngewebe bei Durchblutungsstörungen schützen

Die im STEMO verfügbare Bildgebung und die unmittelbar vorbereitete Arzneimittelgabe verkürzten den Zeitraum zwischen Notruf und Lyse deutlich. Im Vergleich zur konventionellen Rettungskette erhielten Patienten mit mobilem Schlaganfallteam die Behandlung durchschnittlich 20 Minuten früher. Gleichzeitig stieg der Anteil behandelter Patienten auf 60 Prozent; im regulären Versorgungsweg lag er bei 48 Prozent. Der beschleunigte Ablauf ist besonders bedeutsam, da bei einer Hirndurchblutungsstörung mit fortschreitender Zeit immer mehr Nervenzellen unwiederbringlich geschädigt werden.

Mehr STEMO-Patienten bleiben im Alltag ohne wesentliche Einschränkungen selbstständig

Im Vergleich zur üblichen Rettungsdienstversorgung erzielte die STEMO-Gruppe drei Monate nach dem Ereignis günstigere funktionelle Resultate. Rund 51 Prozent der mobil versorgten Patienten hatten keine wesentlichen Probleme bei alltäglichen Tätigkeiten. In der Vergleichsgruppe erreichten lediglich etwa 42 Prozent diesen Zustand. Gleichzeitig lag die relative Wahrscheinlichkeit für ausgeprägtere Behinderungen bei Patienten mit STEMO um 29 Prozent niedriger. Die Befragungen und Bewertungen zur Lebensqualität ergaben ebenfalls insgesamt bessere Werte für diese Versorgungsform.

Sieben statt neun Prozent Patientensterblichkeit wurden unter STEMO beobachtet

Zwar wurde in der mobilen Versorgungsgruppe eine Sterblichkeit von ungefähr sieben Prozent ermittelt, während sie bei konventioneller Versorgung etwa neun Prozent betrug. Daraus lässt sich ein möglicher klinischer Vorteil ableiten, jedoch kein gesicherter Nachweis für eine niedrigere Sterblichkeit durch STEMO. Die Untersuchung basierte nicht auf einer randomisierten Zuteilung. Entscheidend für den Einsatz war hauptsächlich die aktuelle Fahrzeugverfügbarkeit. Dadurch können sich die Gruppen in Merkmalen unterschieden haben, die das Ergebnis beeinflussen.

Charite Feuerwehr und Kliniken entwickelten das Berliner STEMO-Konzept gemeinsam

Als erstes Fahrzeug seiner Art in Berlin wurde ein STEMO im Februar 2011 in Dienst gestellt. Die Grundlage bildete eine gemeinsame Entwicklung von Charite, Berliner Feuerwehr und technischen Partnern. Nach der Einführung erweiterten drei mobile Spezialeinheiten die präklinische Schlaganfallversorgung über weite Teile des Stadtgebiets. Zum Netzwerk gehörten außerdem das Vivantes Klinikum Neukölln und das Unfallkrankenhaus Berlin. Das Vorgehen wurde international wahrgenommen und beispielsweise in den Vereinigten Staaten sowie Australien getestet.

Lyse-Therapie im Rettungsfahrzeug eignet sich nur für bestimmte Schlaganfälle

STEMO-Fahrzeuge schaffen am Einsatzort eine Grundlage für die weitere Schlaganfallversorgung. Sie können mittels Computertomografie eine Hirnblutung ausschließen und den Verdacht auf einen Gefäßverschluss beurteilen. Dennoch lässt sich nicht jede Behandlung dort abschließen. Die Eignung für eine Lyse hängt von medizinischen Kriterien ab, darunter Zeitfenster, Bildbefund und Gegenanzeigen. Große Gefäßverschlüsse erfordern gegebenenfalls eine Thrombektomie durch erfahrene Spezialisten. Dieser Eingriff benötigt ein Krankenhaus mit Katheterlabor. Die mobile Einheit unterstützt die zielgerichtete Weiterleitung.

Auch vorübergehende neurologische Beschwerden müssen sofort ärztlich abgeklärt werden

Die Einsatzbereitschaft eines Stroke-Einsatz-Mobils entfaltet ihren Nutzen nur nach frühzeitiger Alarmierung durch 112. Deshalb müssen plötzlich auftretende neurologische Veränderungen als Notfall behandelt werden. Hinweise sind ein herabhängender Mundwinkel, Schwäche oder Taubheit eines Arms beziehungsweise Beins, Schwierigkeiten beim Sprechen, Sehen oder Gehen sowie ungewohnt heftige Kopfschmerzen. Nach FAST werden Gesicht, Armkraft und Sprache geprüft; die Zeitangabe fordert sofortiges Handeln. Selbst wenn Beschwerden nach wenigen Minuten verschwinden, muss der Patient beurteilt werden.

Mobile CT-Diagnostik verkürzt Behandlungszeiten bei geeigneten Schlaganfallpatienten deutlich messbar

Das mobile Schlaganfallteam verlagert wesentliche Schritte der Akutdiagnostik in den Rettungseinsatz. Mithilfe eines CT kann der behandelnde Arzt früh erkennen, ob ein Gefäßverschluss oder eine Blutung vorliegt, und die Therapie entsprechend festlegen. In B_PROUD war die Lyse bei STEMO-Patienten früher und häufiger möglich. Nach drei Monaten zeigten mehr dieser Patienten keine wesentlichen Alltagseinschränkungen und berichteten über bessere Lebensqualität. Die Fahrzeuge sind daher ein Bindeglied zwischen Notruf, Klinikaufnahme, Schlaganfallstation und Rehabilitation.

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